Kulturelle Bildung
2025/26
Die Cellistin von Auschwitz – Wanderausstellung an der Gesamtschule Rodenkirchen
Im April 2026 zeigte die Gesamtschule Rodenkirchen in Kooperation mit dem EL-DE-Haus und Kultur im Westen e.V. die Wanderausstellung „Die Cellistin von Auschwitz“. Die Ausstellung erzählt die bewegende Lebensgeschichte von Anita Lasker-Wallfisch, die als junge Cellistin und Mitglied des Mädchenorchesters Auschwitz den Holocaust überlebte und heute als wichtige Zeitzeugin für Erinnerung, Menschlichkeit und Demokratie eintritt.
Anhand ihrer Biografie erhielten unsere Schüler*innen einen eindrucksvollen und persönlichen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus. Die Ausstellung verband fundierte historische Informationen mit einer emotionalen Perspektive und machte die Bedeutung von Erinnerungskultur für die Gegenwart auf besondere Weise erfahrbar.Besonders die individuelle Lebensgeschichte Anita Lasker-Wallfischs eröffnete zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Fragen von Menschlichkeit, Verantwortung, Ausgrenzung,Antisemitismus und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung lud dazu ein, Geschichte nicht nur als Abfolge historischer Ereignisse zu
betrachten, sondern die Auswirkungen von Verfolgung und Entrechtung anhand eines
konkreten Lebensweges nachzuvollziehen. Viele Schüler*innen zeigten sich beeindruckt von der Kraft und dem Mut, mit denen Anita Lasker-Wallfisch trotz ihrer traumatischen Erfahrungen ihr Leben gestaltete und bis heute für das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus einsteht.
Im Rahmen des Unterrichts setzten sich die Schüler*innen der Sekundarstufe I fächerübergreifend, insbesondere in Gesellschaftslehre, Deutsch und Musik, mit der bewegenden Lebensgeschichte Anita Lasker-Wallfischs auseinander. Die Ausstellung bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für die historisch-politische Bildung und regte dazu an,
Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Darüberhinaus stand sie der gesamten Schulgemeinschaft offen und lud zu Gesprächen, Fragen und Reflexionen über demokratische Werte, Menschenrechte und gesellschaftliche Verantwortung ein.
Mit der Präsentation der Ausstellung setzte die Gesamtschule Rodenkirchen ein wichtiges
Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur und für die aktive Auseinandersetzung mit den
Herausforderungen einer vielfältigen und demokratischen Gesellschaft.
Projektkoordination & Text: Alina Overhage
Fotos: Volker Müller
Stolperstein Patenschaft
Am 11. Juni 2026 beteiligte sich die Gesamtschule Rodenkirchen an einer Stolperstein-Verlegung in der Kölner Innenstadt. Die Patenschaft für die Gedenksteine von Bernhard und Toni Rotstein wurde durch die Spendeneinnahmen des dokumentarischen Theaterstücks „Ich habe Köln doch so geliebt“ ermöglicht, das Schüler*innen im Rahmen eines Literatur-und Erinnerungsprojekts erarbeitet und aufgeführt hatten.
Bernhard und Toni Rotstein, geborene Strassberg, stammten aus Polen. Nach einigen Jahren in Düsseldorf zog die Familie Anfang der 1920er Jahre nach Köln, wo Bernhard Rotstein am Gereonswall ein Geschäft eröffnete. Gemeinsam mit ihren Kindern Frieda Sonia, Julius und Heinrich lebte die Familie seit 1930 in der Händelstraße 10. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 flohen die Rotsteins zu Verwandten nach Antwerpen. Während allen drei Kindern in den folgenden Jahren die Auswanderung nach Palästina gelang, blieben Bernhard und Toni Rotstein zunächst in Belgien. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 flohen sie nach Südfrankreich. Am 31. August 1942 wurden sie vom
französischen Durchgangslager Drancy bei Paris nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre Kinder überlebten die Verfolgung, gründeten in Israel eigene Familien und bauten sich dort ein neues Leben auf. Zur Stolperstein-Verlegung werden Angehörige der Familie aus Israel anreisen.
Das Theaterstück, dessen Erlöse die Patenschaft ermöglichten, war von einer historischen Postkarte inspiriert, mit der sich eine jüdische Kölnerin auf dem Weg nach Auschwitz ein letztes Mal von ihrer Nachbarin verabschiedete. Der bewegende Schlusssatz dieses Dokuments gab der Inszenierung ihren Titel. Auf Grundlage von Recherchen und Materialien des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln setzten sich die Schüler*innen intensiv mit den Lebensgeschichten von Menschen auseinander, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.
Text: Alina Overhage
Fotos: Alina Overhage