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04.07.2017

Terror und Tragödie

Düstere Töne dominierten die Inhalte der diesjährigen Theaterstücke der DG-Kurse des 9. Jahrgangs, die am dritten und letzten DG- Abend des Schuljahres am 27.6.17 im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule Rodenkirchen präsentiert wurden.
Terror. Eine Werkschau - so der Titel des ersten Stücks. Angekündigt wurde eine kritische Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem die Medien in unserer Zeit dominierenden Thema. Und die Aufführung, in der die fiktiven Lebenslinien von zwei realen Terroristen nachgezeichnet wurden, wurde dieser Ankündigung vom ersten Moment an gerecht. In Form von Monologen, welche zu einem Patchwork zusammengesetzt waren, präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Sicht auf Gewalt, Terror und die damit verbundene Frage: „Warum?“ Und so wurde die Bühne Schauplatz aktueller Szenen einer grausamen Realität. Die harmonischen Klänge der Weihnachtsmusik auf dem Berliner Weihnachtsmarkt finden ein jähes Ende, als das passiert, was letztlich keiner verstehen kann: Der Anschlag, elf Tote, zahlreiche Verletzte. Die Reaktionen der Medien, der rechtspopulistischen Politiker, der aufgebrachten Bürger lassen nicht lange auf sich warten und wurden von den Darstellerinnen und Darstellern in rascher Abfolge, pointierten Monologen und eindrucksvollen Szenen präsentiert. Die Überleitung zur zweiten Terroristenbiografie erfolgte mit provokativen Slogans, die die Gesinnung des NSU treffend widergeben. Wir befinden uns im Prozess gegen Beate Zschäpe. Ihre Kindheit und Jugend wird rekapituliert. Wie auch Anis Amri wird Zschäpe als von den Eltern im Stich gelassen präsentiert. Erklärungen für eine Radikalisierung werden bei beiden gesucht und nicht gefunden. Ratlosigkeit auf der Bühne, Ratlosigkeit in den Reihen der Zuschauer, denn dieses Theaterstück fesselte das Publikum nicht auch zuletzt aufgrund seiner Taktung und der eindrücklichen medialen Inszenierung. Und wie beendet man ein Theaterstück, wenn nicht mit Antworten auf die gestellten Fragen? Mit fünf Schüssen ins Auditorium. Seht her, es ist nicht vorbei!
Gewalt herrscht traditionell auch in der Bronx, in der das zweite Theaterstück des Abends spielte. Die Tragödie um die beiden Liebenden „Romeo und Julia“ war von den Schülerinnen und Schülern in die 1990er Jahre übersetzt worden und folgte im Aufbau der Vorlage. Sprachlich hingegen hatten sich die Darstellerinnen und Darsteller die Freiheit genommen, die klassische Version durch Jugendsprache aufzubrechen. Da Shakespeare nachgesagt, wird, dass er es liebte, wenn sich die Darsteller auf der Bühne beschimpften, ist davon auszugehen, dass er auch an dieser Adaption seines Werks die helle Freude gehabt hätte, denn geflucht und beschimpft wurde auf der Bühne reichlich. Der klassische Rahmen blieb wie gehabt: Die Capulets und Montagues sind verfeindet, Romeo und Julia treffen im Rahmen einer Tanzveranstaltung aufeinander und galant wie eh und je fragt Romeo: „Ey, soll ich dich nach Hause bringen?“ Die Antwort kennen wir alle und so nahm auch an diesem Abend das Schicksal seinen Lauf. Bereits nach kurzem Weg durch den Regen stellte Romeo die Frage der Fragen und die Erkenntnis der Herkunft aus zwei verfeindeten Häusern wurde mit „Oh, scheiße!“ kommentiert. Die Darstellerinnen und Darsteller spielten sich mit großem Engagement durch die tragischste Liebesgeschichte der Weltliteratur, in der auch in dieser Version der Effekt des magischen, den Tod simulierenden Mittelchens des Pater Lorenzo, heutzutage Dealer von Profession, zu dramatischen Szenen führte. Und wie beendet man „Romeo und Julia“? Verlässlich – keine Überraschungen! In der Störanfälligkeit unserer Zeit eine beruhigende Konstante.
Im neunten Jahrgang liegt der Schwerpunkt im Wahlpflichtfach „Darstellen und Gestalten“ auf der Konzeption, dem Schreiben und Einstudieren eines Theaterstücks. Die in den vorangegangenen Jahrgängen 6-8 erworbenen Kompetenzen werden so gebündelt und erweitert. Im Schuljahr 2016/17 wurden die zwei Kurse des Jahrgangs von Ann-Kathrin Reiners und Jörg Saborowski, sowie Brigitte Redemann-Runte und Werner Klaas angeleitet.



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