MINT                                                                                      

Mathematik - Informatik -Naturwissenschaften - Technik

Erste Überlegungen zur Einführung von MINT an der Gesamtschule Köln-Rodenkirchen

Die gute Nachricht lautet: Wer ohne allzu viel Aufwand zu einem erklecklichen Verdienst gelangen möchte, dem stehen neuerdings alle Türen offen. Zum Beispiel in persona Günther Jauch!

Lautete doch die 250.000 Euro-Frage der letzten „Wer wird Millionär“-Sendung: „Worüber spricht man in Zusammenhang von MINT?“ – Die Antwort lautete „Lehrermangel“.


Der Kandidatin blieb der in Aussicht gestellte Geldsegen allerdings verwehrt, war sie doch,  zumindest in dieser Beziehung, ahnungslos.

Damit zumindest den geneigten Leserinnen und Lesern des aktuellen Info-Briefes ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, folgen einige hoffentlich informative Einlassungen zu diesem Thema.


MINT – sicherlich auch ein schönes Beispiel für die allgegenwärtige Abkürzeritis im deutschen Sprachgebrauch -  bedeutet zunächst einmal nichts anderes als ein Initialwort für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und wurde unter der Präambel „MINT – Zukunft schaffen“ kreiert.

Dahinter steht eine bereits im Jahre 2008 von verschiedenen bundesdeutschen Wirtschaftsverbänden gegründete Initiative zur Begegnung eines, damals antizipierten und heutzutage von niemandem mehr ernsthaft bestrittenen, Fachkräftemangels in oben genannten Professionsfeldern: Zurzeit immatrikulieren sich demnach lediglich ein Drittel aller Studierenden hierzulande im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, im OECD-Schnitt sind es sogar nur 23 %. Laut einer Stellungnahme des Arbeitsmarktforschers Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft aus dem Jahre 2011 gibt es in den genannten Qualifikationen „deutlich mehr Stellen als Personal.“

Womit wir wieder bei Herrn Jauch wären: Auch wenn sicherlich nicht jeder oder jedem eine Teilnahme an der Endrunde bekannter Quizsendung beschert ist und – quod erat demonstrandum – diese nicht in jedem Fall zum Erfolg führt, so sprechen wir hier doch von gut dotierten Jobs, deren Berufsalltag von hoher Kreativität und Eigenverantwortlichkeit geprägt ist. Woher dann der Fachkräftemangel - eigentlich kaum verständlich bei den angeführten Vorzügen und Perspektiven!

In den Medien und unter Fachleuten werden unterschiedliche Hintergründe bemüht: Von antizyklischen Entwicklungen durch frühere Überkapazitäten, mangelndem Ansehen des Berufsbildes in der Öffentlichkeit, langen Studienzeiten, fehlender Frauenförderung an Schule und Uni sowie demographischen Faktoren ist die Rede – sicherlich durch die Bank fundierte und vor allem polykausale Aspekte ein und desselben Phänomens, welches den einen Schluss zulässt: Junge Menschen müssen bereits in der Schule effektiver für Naturwissenschaft und Technik begeistert werden, das (auch medial weit verbreitete Bild) des „Nerds“, des lebensfernen, leicht angestaubten Hornbrillenträgers (Sorry: und -trägerin) gehört gehörig zurechtgerückt.Es würde den vorgegebenen Rahmen bei Weitem sprengen, an dieser Stelle sämtliche Initiativen, Wettbewerbe und ausgelobten Unterstützungen materieller und ideeller Art zu nennen, die nur allein von der MINT-Bildung in NRW, einer Initiative der Landesvereinigung von Unternehmerverbänden, ins Leben gerufen wurden.

Eine davon jedenfalls ist die seit 2012 an Sekundarstufe I Schulen gerichtete Förderung durch ein Audit „MINT-Schule NRW“. Bereits 2000 wurde MINT-EC gegründet (Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen), dessen Zielsetzung es ist, Gymnasien und Gesamtschulen dabei zu unterstützen, ihre entsprechende Schwerpunktbildung zu vertiefen und sich als Excellence-Center zu organisieren. Seitens des Vereins werden dabei Lehrerfortbildungen unterstützt, Schülerforschungspraktika in Unternehmen und Universitäten organisiert sowie die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und der Aufbau des regionalen Netzwerks gefördert.

Bei so vielen guten Gründen sollten wir nicht hintanstehen. Zudem sind die Naturwissenschaften ja für viele unserer Schülerinnen und Schüler bereits jetzt ein wichtiges Standbein ihrer Schullaufbahn: Die Möglichkeit im Fach Chemie einen Ergänzungskurs zu belegen, was für viele den Weg zu einem höherwertigen Bildungsabschluss ebnet, ein Physik-Leistungskurs in der Oberstufe als feste Institution (was übrigens nicht an vielen Schulen zu finden ist!) sowie die Option, Naturwissen-schaften im Wahlpflichtbereich als „viertes Hauptfach“ wählen zu können, welches dann abschlussrelevant wird, zeigt, welchen Stellenwert die Naturwissenschaften schon jetzt für uns haben.

Darauf aufbauend gibt es bereits Überlegungen zur möglichen Einführung von MINT an der Gesamtschule Rodenkirchen. Schulen, die sich für eine Förderung bewerben, „müssen im Rahmen ihrer Bewerbungsunterlagen und einem anschließenden Schulbesuch nachweisen, dass sie sich überdurchschnittlich im MINT-Bereich engagieren (qualitativ und quantitativ) und so die naturwissenschaftlichen sowie technischen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler verbessern“ (MINT-Unternehmer NRW, 2013). Bis dahin sind sicherlich noch einige Anstrengungen nötig, Voraussetzungen und Präliminarien sind jedoch vorhanden: eine ausgezeichnete Ausstattung im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich, ein hoher Qualitätsstandard durch die Implementierung der curricularen Vorgaben des Ministeriums sowie – last not least – hochengagierte Lehrerinnen und Lehrer schaffen die Basis für diese Zukunftsvision.

Der Besuch der Herbsttagung des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Chemischen Instituten der Universität zu Köln durch Kolleginnen und Kollegen sowie die Durchführung eines naturwissenschaftlich-technischen „Schnupperunterrichts“ für Viertklässler einer benachbarten Grundschule sind erste Schritte, zu denen sich auch die Beteiligung an der Chemie-Olympiade zählen lässt. Mehr sollen folgen – damit solche oder ähnliche Quizfragen wie eingangs beschrieben in Zukunft korrekt beantwortet werden können – zumindest von den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Rodenkirchen.